Handwerk – Drechseln
Franz Josef Keilhofer kombiniert Bewährtes mit Neuem

Wie die meisten Regionen Bayerns ist auch Berchtesgaden reich an Kultur und Tradition. Was die Region besonders auszeichnet sind ihre vielen, auch in der Ferne bekannten natürlichen Wahrzeichen wie der Watzmann und der Königssee. Deren Anziehungskraft lockt seit jeher viele Besucher aus nah und fern an und führt dazu, dass man auch heute noch Mensch und Kultur sehr unverfälscht erleben kann. Ein Umstand, der Einheimischen und Gästen gleichermaßen Freude bereitet.

Berchtesgaden ist Dirndl und Lederhose, Brauchtum und Kultur. Das Schöne ist jedoch: Die Bergregion ist auch jung und innovativ, offen und neugierig. Eine gute Kombination, das findet auch Franz Josef Keilhofer. Ein junger Handwerker, der es geschafft hat, seinen Weg zwischen Wald und W-Lan zu finden. Der Drechsler lebt und arbeitet auf dem Jahrhunderte alten Familienhof mit Blick auf den Watzmann. In seiner Arbeit versucht er das Bewährte mit dem Neuen zu verbinden.

Auch wenn man es auf den ersten Blick anders vermuten könnte, so ist Franz ein echtes Berchtesgadener Urgestein. Dass er sich einmal voll und ganz einem der ältesten Handwerke der Menschheit verschreiben würde, hätte der Bischofswiesener früher selbst nicht geglaubt. Früher stand für ihn immer fest, dass er nach der Ausbildung zum Formenbauer und der Berufsoberschule eine akademische Laufbahn einschlagen will. Das Leben hat es nach seiner eigenen Ansicht jedoch besser mit ihm gemeint und während einer längeren Erkrankung entdeckte Keilhofer vor ca. elf Jahren das Drechseln. Als Autodidakt hat sich der junge Mann alles selbst beigebracht. Ein mit-unter sehr steiniger Weg, wie er betont. Viele Regeln und Techniken sind bereits viele Hundert Jahre bekannt und hätten auch heute noch ihre Gültigkeit. Manchmal jedoch sei es gut, diese nicht zu kennen, um etwas Neues zu entdecken.

Heute führt er ein recht einfaches, jedoch keines-wegs langweiliges Leben. Um seinen Traum als selbstständiger Handwerker leben zu können, leitet Franz ein Ein-Mann-Nachhilfeunternehmen, arbeitet als Fotomodell und Autor sowie als Fotograf. Immer an seiner Seite: Nadine, welche als Fotografin, Illustratorin und Grafikdesignerin arbeitet. Ein, wie Keilhofer findet, perfektes Team auf mehr als nur einer Ebene.

Der Drechsler arbeitet in seiner Werkstatt, die unter dem Namen GingerWood bekannt ist, fast ausschließlich mit heimischen Hölzern und ist vor allem für seine Schalen und Hohlformen bis über den Talkessel hinaus bekannt. Er hat uns dazu eingeladen, ihn in seiner Werkstatt am Gattermannlehen zu besuchen und wir durften bei der Entstehung einer großen Schale dabei sein.
Obwohl die eigentliche Arbeit bereits mit dem Fällen des Baumes beginnt, so geschieht dies meist im Winter und deshalb starten wir im Stadel mit dem Zerteilen des Baumstamms. Diesen hatte er im vorletzten Winter von einem Bauern aus der Nachbarschaft bekommen. Auch wenn die Familie ein eigenes Stück Wald besitzt, arbeitet der Handwerker am liebsten mit Holz von Bäumen, die erzwungenermaßen gefällt werden mussten.
Franz erzählt uns, dass der wichtigste Schritt nicht etwa im Drechseln selbst, sondern in der Wahl der Positionierung der Schale im Stamm besteht. Hierbei wird der Verlauf der Maserung festgelegt, welche entscheidenden Einfluss auf das spätere Erscheinungsbild des fertigen Werkstückes hat. Nach dem sorgfältigen Ausrichten der großen Gabelung einer Esche erfolgt der Trennschnitt entlang des Kerns.
„Es ist immer wieder spannend zu sehen, welches Holz-Bild sich im Inneren versteckt‟, schwärmt Keilhofer begeistert. In dem Bereich zwischen den beiden Ästen der Gabelung ist das Holz besonders schön gemasert und zeigt eindrucksvoll, wie viel Kraft in so einem alten Riesen steckt.
Mit einer Wachskreide wird der Umriss der späteren Schale angezeichnet, um das spätere Rund-Schneiden mit der Kettensäge zu erleichtern. Kleinere Schalen werden auf der Bandsäge grob rundgeschnitten, was bei diesem Gewicht jedoch nicht mehr möglich ist.
Der Rohling wiegt gut und gerne 80 Kilo und ist gar nicht so leicht zu transportieren. Um ihn einfacher und vor allem mit heilem Rücken auf die Maschine zu heben, verwendet Franz einen Hubtisch. Mit starken Schrauben wird der „Klotz“ sicher auf der Drechselmaschine befestigt.

Mit zunächst sehr langsamer Drehzahl und viel Kraft wird aus dem Stück Holz, Schritt für Schritt eine Schalenform herausgeschält. Dabei dreht die Maschine den Rohling und die Werkzeuge werden von Hand geführt. Die Kunst besteht darin, alles Überflüssige wegzunehmen und die natürliche Schönheit des Materials bestmöglich zur Geltung zu bringen.

Nun ist es Zeit, die Innenseite zu bearbeiten. Die spätere Schale rotiert jetzt schon bedeutend schneller, Späne fliegen meterweit durch die Werkstatt und Keilhofer macht bei dem Versuch, nicht zu viele Späne zu verschlucken, einen etwas verkniffenen Gesichtsausdruck.

Zuletzt geht es ans Schleifen, welches leider, wie Franz betont, oft genau so lange dauert wie das Drechseln selbst. Eine staubige Angelegenheit, jedoch soll die fertige Schale nicht nur gut aussehen, sondern sich auch geschmeidig anfühlen.

Leicht erschöpft, jedoch auch zufrieden präsentiert der Drechsler (nach einer ausgiebigen Dusche) die fast fertige Schale. Sie muss nämlich noch trocknen, dann geölt und signiert werden. Es gibt für den Bischofswiesener nichts Schöneres, als am Ende eines langen arbeitsreichen Tages der eigenen Hände Arbeit in Händen zu halten. Das wird uns klar, als wir in seine leuchtenden Augen blicken. Einziger Wehmutstropfen, so betont er, ist, dass das Verkaufen leider weitaus schwieriger ist als das Machen.
Wer mehr über Franz Josef Keilhofer und seine Arbeit erfahren will, kann dies in seinem Buch „Mit Holz, Herz und Hand“ oder noch besser mit einem Besuch in seinem Ausstellungs- und Verkaufsraum in Bischofswiesen tun.

Kontakt GingerWood
Franz Josef Keilhofer
Aschauerweiherstraße 53, 83483 Bischofswiesen
Tel. +49 151 42430721, www.GingerWood.de

Bilder: Nadine Schachinger, www.herz-flimmern.com