Am Palmsonntag wird – je nach Wetterlage – erstmals im Jahr die kurze Lederhose aus dem Schrank geholt. Die Einheimischen im Berchtesgadener Land tragen an diesem Feiertag die Tracht.
Den „Palmbuschen“ tragen in der Regel die jüngeren Buben in die Kirche und anschließend zu Verwandten und Nachbarn. Diese Aufgabe ist sehr beliebt, da der „Palmtrager“ hierfür nicht ganz leer ausgeht. Mit der Firmung endet dann für sie diese Aufgabe.

Ramsau und Umgebung. Palmtragen am Palmsonntag. Foto www.fotomagie.eu Marika Hildebrandt

Jedes Jahr in den Wochen vor Ostern finden im Berchtesgadener Land umfangreiche Vorbereitungen bei den Familien und Bauernhöfen statt. Die Väter sammeln Zweige, schneiden Weidenäste und binden die „Palmbuschen“, die Mütter und größeren Kinder basteln den „Palmschmuck“ aus gefärbten Hobelspänen. Die Palmbuschen, welche noch heute am Palmsonntag von den Kindern zur Kirche gebracht und dort gesegnet werden, gedenken des Einzugs Jesu in Jerusalem. Deshalb wird an diesem Tag Palm geweiht und eine Palmprozession durchgeführt.
Echte Palmen sind in Deutschland nur schwer erhältlich. Außer im Domkapitel zu Köln, das zu seiner Palmprozession stets echte Palmen verwendet, ist deshalb meist Palmbuschen als Palmersatz üblich. Buchsbaum gehörte früher in jeden Garten, bildete oft Beeteinfassungen oder eine Hecke. Beim Buchsbaum mischen sich Heidnisches und Christliches: Geweihter Palm wurde in Haus und Hof an jedes Kreuz gesteckt oder hing als Busch an Scheune und Remise. Der Aberglaube hielt daran fest, dass Palm vor Blitz- und Hagelschlag, Missernte und Seuchen schützte. Deshalb fütterte man das Vieh mit Palm, mischte Palmblättchen in das Palmsonntagsessen als Schutz vor Krankheiten. „Palmtee“ sollte vor Lungenkrankheiten schützen. Landschaftlich verschieden wird der Palmstrauß geschmückt. Im Berchtesgadener Land basteln die Familien den Palmschmuck aus gefärbten Hobelspänen – den sogenannten „Gschabertbandln“. Dieser kunstvoll gestaltete Schmuck besteht aus zwei und dreifarbigen Ziehharmonikas, aus Kugeln – den „Ohrein“– und losen Bandeln, auch „Rollein“ genannt.
Da im frühen Frühling die Felder oft noch mit Schnee bedeckt sind, bringt der Palmsonntag die ersten Farbtupfer ins Land. Diese Feiertage waren im Berchtesgadener Land schon immer fest im Brauchtum verwurzelt und werden farbenfroh und segensreich begangen. Familien gehen am Sonntagmorgen zur Palmweihe, anschließend zur Palmprozession und Messe in die Kirche. Die jüngeren Buben bringen die Palmbäume zur Weihe mit in die Kirche, wo sie gesegnet werden. Bei den Bauernhöfen werden die größeren Palmbuschen dann auf das Feld gesteckt. Kleinere Palmbuschen bringt man unter anderem im Herrgottswinkel in den Stuben an und steckt sie auf die Gräber der Familienangehörigen.
Wenn es das Wetter zulässt, wird zum Palmtragen zum ersten mal wieder die kurze Lederhose angezogen. Somit hat der Frühling im Landkreis begonnen. Da es zu dieser Jahreszeit noch häufig schneit, sind die farbenfrohen Palmbäume ein wunderbarer Farbklecks in der winterlichen Landschaft und symbolisieren das Erwachen des lang ersehnten Frühlings. Die Einheimischen im Berchtesgadener Land sieht man an diesen Feiertagen in bunten Trachtengewändern zu den Kirchen gehen, um an den festlichen Gottesdiensten teilzunehmen.
In der Osternacht und am Morgen des Ostersonntags werden die mitgebrachten Speisen in den Kirchen gesegnet, bevor es dann traditionell nach Hause zum segensreichen Osterfrühstück geht.