Von keinem Berg gibt es so viele Sagen und Märchen wie die, die vom Untersberg erzählt werden. In alten Volksbüchern wird er sogar als „Wunderberg“ bezeichnet. Viele Wundersame Geschichten drehen sich um und in ihm. Erdgeister, Feen, Zauberer und Hexen – heimliche und unheimliche Wesen – bewohnen ihn. Frühere Edelleute und gekrönte Häupter fanden in dem Berg Zuflucht oder ihre letzte Ruhestätte. Diese Geschichten mag man ihm zugestehen und glauben, diesem majestätischen mystischen Berg.

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So ruht in seinem Inneren seit einiger Zeit „Karl der Große”. In einem prächtigen Marmorsaal an einem Marmortisch sitzend, thront er dort schlafend. Von seinen Fürsten und Scharen getreuer Gefolgsleute und Kriegern umgeben, mit seiner glitzernden Krone auf dem Kopf und das Reichszepter in seiner rechten Hand. Kaiser Karl, der im Jahr 742 geboren ist, zum Frankenkönig im Jahr 768 erhoben und schließlich als Kaiser des weströmischen Reiches in Rom am Weihnachtstag im Jahr 800 gekrönt wurde, schlummert hier im Untersberg nach seinem Begräbnis im Aachener Münster im Jahr 814 mit all seinen Getreuen. Sein weißer Bart mit einem kostbaren Perlenband durchflochten, zweimal um den Tisch gewachsen. Der Kaiser mag von der Glanzheit seiner Regierung träumen, in der Deutschland ein mächtiges großes Reich geworden war, in dem für Rechtsordnung gesorgt wurde und die Grenzen gesichtert waren. Handel und Gewerbe waren geschützt und die Bildung in Kunst und Wissenschaft durch Klöster und Schulen wurde gefördert.

Von Zeit zu Zeit erwacht Kaiser Karl mit seinem Gefolge. Ein Edelknabe wird dann nach dem Geiereck Nähe des Salzburger Hochthrons gesandt. Dieser Knabe soll am Geiereck die Anzahl der Raben zählen, die den Berg umkreisen. Tut der Knabe dem Kaiser von weniger als 24 Vögeln kunde, so neigt dieser sein Haupt mit leisem Wehlaut und versinkt wieder in die alte Erstarrung. Erst wenn 24 Raben, nicht mehr und nicht weniger, den Untersberg umfliegen und nach einer weiteren Prophezeihung des Kaisers Bart dreimal um den Tisch gewachsen ist, dann ist die Zeit des „Karl des Großen” gekommen! Dann brechen seine tapferen Krieger aus dem Berge hervor und befreien Deutschland aus höchster Not.

Der Sieg über die Feinde seines Landes lässt Kaiser Karl auf seinem dreifüßigen Schimmel davon galoppieren und sein Ritt trägt ihn hoch hinaus über die Wolken hinweg. Seine Hand schwenkt eine Siegesfahne die flatternd einer roten Flamme gleicht und in der Ferne verweht.